Hufbeschlag

    

Der Hufbeschlag

 

Beurteilung des Exterieurs
Vor der eigentlichen Beschlagsarbeit wird das Pferd zunächst im Stand und in der Bewegung beurteilt. Dabei wird auf die Hufe sowie auf die Gliedmaßenführung und eventuelle Bewegungsstörungen geachtet.
 
 
Einschätzung des Interieurs
Nach der Beurteilung des Exterieurs, folgt die Einschätzung des Interieurs. Voraussetzung für jedes Pferd das „schmiedefromm“ werden soll, ist das Verstehen von erwünschtem und unerwünschtem Verhalten. Dies gelingt beim Pferd, wie bei jedem Tier, durch positive Verstärkung. Bei einem Pferd, das Angst vor dem Schmied hat, werden seine Befürchtungen durch Strafen lediglich bestätigt. Ein Pferd das weiß was es nicht tun soll, weiß noch lange nicht was gewünscht ist und wird verunsichert. Pferde, die ungern ihre Hufe geben, tun dies in der Regel aus einem dieser 3 Gründe:
 
   • In vielen Fällen ist es für das Pferd schmerzhaft seine Hufe zu geben (z.B. Verspannungen oder Arthrosen)
   • Oft sind schlechte Erfahrungen verantwortlich (unangebracht Bestrafung, extrem unpassende Eisen) 
   • Balanceprobleme.
 
Selten kommt es vor, dass ein Pferd seine Hufe aus purer Unwilligkeit nicht geben will.
 
Das Ausschneiden
Zunächst werden die Hufe ausgeschnitten und geraspelt um überschüssiges Horn zu entfernen, eine optimale Hufentwicklung zu fördern und eventuelle Fehlentwicklungen zu korrigieren. Das Begradigen der Hufwände, ohne die natürliche Hufform negativ zu beeinflussen ist hier ein wichtiger Teil der Hufbearbeitung. Durch eine gerade Hufwand wird das weitere Wachstum positiv beeinflusst, die Hufwand wächst in regelmäßiger Form nach und es kommt seltener zum Ausbrechen der Wände.
Das Ziel der Hufbearbeitung ist eine absolut plane Auftrittsfläche und ein Huf der zum Fesselstand des Pferdes passt, um dem Pferd eine gleichmäßige Verteilung seines Gewichts zu ermöglichen und möglichen Fehlbelastungen seiner Gliedmaßen vorzubeugen. Stellt man sich eine Linie von der Strahlspitze abwärts vor, so sollten beide Hufhälften möglichst die gleiche Größe und Beschaffenheit haben.
 
 
Der Beschlag
Im nächsten Schritt wird aus einem Hufeisenrohling ein genau passendes Hufeisen für den jeweiligen Pferdehuf gefertigt. Es gibt zwar einige Anhaltspunkte für passende Eisen, die von jedem guten Hufschmied beachtet werden müssten, jedoch kann man nicht pauschal festlegen wie ein Beschlag letztendlich auszusehen hat. Ein Pferd lässt sich in keine symmetrische Form pressen und daher muss jedes Pferd einen individuellen, den jeweiligen Gegebenheiten (wie z.B. der natürlichen Schiefe des Pferdes) angepassten Beschlag erhalten, dessen Ziel es sein muss, die Bewegungsorgane des Pferdes gesund zu erhalten oder deren ursprüngliche Funktionalität wieder herzustellen.
 
   
 
Anhaltspunkte für ein passendes Eisen:
Ein passendes Eisen verläuft entlang der Zehe bis zur breitesten Stelle des Hufes in einer absolut gleichmäßigen Form. Hinter der breitesten Stelle des Hufes verläuft ein passendes Eisen in jedem Fall einige Millimeter weiter als der Huf, um den Hufmechanismus keinesfalls einzuschränken und eine ausreichende Unterstützungsfläche zu bieten. Das Ende der Hufeisen sollte nicht mit den Trachten abschließen, sondern zur Unterstützung von Sehnen und Bändern weiter hinausreichen.
 
Folgen von zu kleinen Hufeisen:
Häufig wählen Hufschmiede zu kleine Eisen, da es einfacher ist, den Huf dem Eisen anzupassen als umgekehrt und natürlich aus Angst davor, dass die Eisen frühzeitig verloren gehen. Leider vermindert die geringere Größe des Hufeisens auch die Unterstützungsfläche des Hufes, schränkt den natürlichen Hufmechanismus ein oder verhindert ihn sogar.
Untergeschobene Trachten, schiefe Hufe, Schmerzzustände und Hufe die schnell über die Ränder der Eisen wachsen und dadurch auf die Hufsohle kommen werden so begünstigt. Die Folgen reichen von Balanceproblemen hin zu ernsthaften Erkrankungen der Gliedmaßen.
 
  
 
 
 
Abschließendes Vernieten
Zum Abschluss der Beschlagsarbeit werden die Nägel mit einer Zange gekürzt und mit Hilfe von Zange und Hammer mit 3-4 geschickten Schlägen abgeknickt und vernietet.
Beim Vernieten mit der Nietzange (Chlincher) wird der Nagel nur umgebogen und meist noch beraspelt. Mit dieser Methode öffnen sich die Nieten meist schon wieder nach kurzer Zeit.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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